Und wie könnt ihr damit die Welt ernähren?

83% der weltweit 537 Millionen Höfe bewirtschaften unter zwei Hektar Land und 97% weniger als 10 Hektar. Kleinbauern produzieren den größten Teil aller Lebensmittel (in Asien und Afrika rund 80%) und bewirtschaften etwa 60% der weltweiten Ackerflächen, häufig schlechtere, nicht bewässerte Böden. (Weltagrarbericht 2008)

Marketgarden

Market Garden oder Marktgärtnereien existieren schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts und bezeichnen kompakte Gärtnerei, die auf kleinster Fläche (unter 0,5 ha bis 3 ha), mit einfachen Techniken und hoher Flächeneffizienz Gemüse produzieren.

Das Anbausystem ist geprägt von dem Verzicht auf den sonst klassischen Einsatz von Traktoren, um die Bodenverdichtung auf ein Minimum zu reduzieren. Stattdessen wird mit gezielter Handarbeit, neuen, handlichen Gartenwerkzeugen und Techniken wie z.B. der Verdunkelung des Bodens ein neuer intensiver Gemüsebau betrieben. Nun, mit dem intelligenten, geplanten Fokus auf die Produktivität auf kleiner Fläche, anstatt dem industriellen Ansatz, „wachse oder weiche“.

Durch den Verzicht auf den Traktor entstehen außerdem neue Möglichkeiten im Anbau, wie der Verwendung von deutlich dichteren Pflanzabständen bzw. Aussaatdichten oder der Integrierung von Mischkulturen. Höhere Bestandsdichten führen zu einem „Mulcheffekt“ durch die Kulturpflanzen und so zu einer verbesserten Bodenbedeckung und Verdunkelung. Dadurch kann bei der Wassermenge für Bewässerung und teure Arbeitszeit für die Beikrautpflege gespart werden. Außerdem wird dadurch die Platzausnutzung auf dem Beet und damit auf der gesamten Fläche maximiert.

Inspiriert durch das System des bio-intensiven Gemüsebaues kommen permanente Beetstrukturen zum Einsatz, die die Bewirtschaftung erleichtern und zur Bodenschonung beitragen. Da der Boden als lebendiges System begriffen wird, kommt konsequent hochwertiger Kompost zum Einsatz, um die Bodenstruktur zu Verbessern und die Verlebendigung des Bodens voran zu treiben. Durch den Einsatz von Low-Tech-Lösungen für die Maschinierung und dem niedrigen Flächenbedarf, fallen die Startinvestitionen für Marktgärten auf eine machbares Niveau, was vor allem für junge Gärtner und Betriebe in der Gründung interessant ist. Die Direktvermarktung über Marktstände, Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi), Restaurants etc. kann die nötigen Margen realisieren, um dieses Anbausystem zu ermöglichen.

Die Marktgarten-Bewegung hat zwar in den letzten Jahren stark an Popularität gewonnen, ihre Wurzeln sind aber bei den französischen „Maraîchers“, den Pariser Gemüsegärtnern, die ab 1850 Mitten in der Metropole einen Großteil der Nahrungsmittel für ihre Einwohner produzierten. Die kubanischen Agroponikos sind das tropische Pendant für den kleinflächigen, intensiven Gemüsebau. In diesem Fall als Reaktion auf den Mangel an Importen wie künstlichen Düngemitteln und Lebensmitteln durch die politische Abschottung der Insel nach dem Ende der Sowjetunion.

Die Verbreitung von Marktgärten stärkt die Nahrungsmittelsouvereniät im Kleinen und hat das große Potential die industriellen & globalen Strukturen unserer Lebensmittelversorgung zu dezentralisieren, enorme Transportwege zu sparen, lokale Unternehmen zu fördern und Gemüsegärten & Gärtnerei wieder stärker in unseren Alltag zu holen.